Ernährungsrisiko bei Kindern auf der Intensivstation: Wie gut funktioniert STRONGkids in China?
Jedes Jahr werden Tausende von Kindern auf der Intensivstation behandelt. Doch wussten Sie, dass viele dieser Kinder auch ein hohes Risiko für Mangelernährung haben? Mangelernährung kann den Heilungsprozess verzögern und die Zeit im Krankenhaus verlängern. Wie können Ärzte dieses Risiko frühzeitig erkennen? Eine Methode, die in Europa erfolgreich eingesetzt wird, ist das Screening Tool for Risk on Nutritional status and Growth (STRONGkids). Aber funktioniert es auch in China?
Warum ist Mangelernährung bei Kindern so gefährlich?
Mangelernährung ist nicht nur ein Problem in Entwicklungsländern. Auch in Krankenhäusern, besonders auf der Intensivstation, kann sie schwerwiegende Folgen haben. Kinder, die bereits krank sind, haben oft einen höheren Bedarf an Nährstoffen. Wenn dieser Bedarf nicht gedeckt wird, kann sich ihr Zustand verschlechtern. Sie brauchen länger, um sich zu erholen, und müssen länger im Krankenhaus bleiben.
Früherkennung ist der Schlüssel. Wenn Ärzte das Risiko für Mangelernährung frühzeitig erkennen, können sie gezielte Maßnahmen ergreifen. Aber wie lässt sich dieses Risiko am besten messen?
Was ist STRONGkids und wie funktioniert es?
STRONGkids ist ein einfaches Werkzeug, das entwickelt wurde, um das Risiko für Mangelernährung bei Kindern zu bewerten. Es basiert auf den Richtlinien der European Society for Parenteral andEnteral Nutrition (ESPEN) und wird in vielen europäischen Krankenhäusern eingesetzt. Das Tool bewertet verschiedene Faktoren wie das Gewicht des Kindes, die Art der Erkrankung und den Allgemeinzustand. Anschließend wird das Kind in eine von drei Kategorien eingeteilt: hohes, mittleres oder niedriges Risiko.
Aber funktioniert STRONGkids auch in anderen Ländern, zum Beispiel in China? Eine Studie in der Kinderintensivstation des West China Hospital in Sichuan hat dies untersucht.
Die Studie: Wer wurde untersucht und wie?
Die Studie wurde von Juli 2019 bis Mai 2020 durchgeführt. Insgesamt wurden 1.086 Kinder unter 18 Jahren untersucht, die auf der Intensivstation behandelt wurden. Alle Kinder hatten vollständige medizinische Unterlagen, und die Eltern hatten ihr Einverständnis gegeben.
Die Forscher sammelten Daten aus den Krankenakten und beobachteten die Kinder direkt. Sie untersuchten Faktoren wie Alter, Geschlecht, Art der Erkrankung und die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation. Außerdem wurde das Risiko für Mangelernährung mit STRONGkids bewertet.
Die Ergebnisse: Wer ist am stärksten gefährdet?
Die Studie ergab, dass fast alle Kinder auf der Intensivstation ein Risiko für Mangelernährung hatten. Kein Kind wurde als „niedriges Risiko“ eingestuft. 9,6 % der Kinder hatten ein hohes Risiko, und 90,4 % hatten ein mittleres Risiko.
Kinder unter einem Jahr waren am stärksten gefährdet. Sie hatten ein höheres Risiko als ältere Kinder. Auch Kinder mit Erkrankungen des Verdauungssystems (zum Beispiel Magen-Darm-Probleme) hatten ein doppelt so hohes Risiko wie Kinder mit Herzproblemen.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation. Kinder, die länger als 96 Stunden blieben, hatten ein höheres Risiko für Mangelernährung.
Überraschende Erkenntnisse: Körperliche Fixierung und Sedierung
Eine überraschende Entdeckung war, dass Kinder, die körperlich fixiert (zum Beispiel mit Gurten gesichert) oder sediert (mit Beruhigungsmitteln behandelt) wurden, ein geringeres Risiko für Mangelernährung hatten. Dies könnte daran liegen, dass diese Kinder weniger aktiv sind und daher weniger Energie verbrauchen.
Allerdings ist es wichtig, diese Maßnahmen sorgfältig abzuwägen. Körperliche Fixierung und Sedierung können auch Nebenwirkungen haben und sollten nur eingesetzt werden, wenn es medizinisch notwendig ist.
Warum ist STRONGkids wichtig?
Die Studie zeigt, dass STRONGkids ein nützliches Werkzeug ist, um das Risiko für Mangelernährung bei Kindern auf der Intensivstation zu bewerten. Es hilft Ärzten, Kinder mit hohem Risiko frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.
Besonders wichtig ist die Anpassung an lokale Gegebenheiten. In China sind zum Beispiel Erkrankungen des Verdauungssystems ein größerer Risikofaktor als in Europa. Das bedeutet, dass Ärzte in China besonders auf diese Kinder achten müssen.
Was können Eltern tun?
Eltern können auch eine wichtige Rolle spielen. Wenn ihr Kind auf der Intensivstation ist, sollten sie das medizinische Team auf mögliche Anzeichen von Mangelernährung ansprechen. Dazu gehören zum Beispiel Gewichtsverlust, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit.
Fazit
Mangelernährung ist ein ernstes Problem bei Kindern auf der Intensivstation. STRONGkids ist ein einfaches und effektives Werkzeug, um dieses Risiko zu bewerten. Die Studie aus China zeigt, dass fast alle Kinder auf der Intensivstation gefährdet sind. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kinder mit Verdauungsproblemen und solche, die lange im Krankenhaus bleiben.
Ärzte und Eltern sollten gemeinsam darauf achten, dass diese Kinder die richtige Ernährung erhalten. Nur so können sie sich schneller erholen und weniger Zeit im Krankenhaus verbringen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001330