Erhöht Hyperurikämie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Erhöht Hyperurikämie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Und was bringen Harnsäure-senkende Therapien?

Hyperurikämie, auch bekannt als zu viel Harnsäure im Blut, ist ein weit verbreitetes Problem. Sie kann zu Gicht führen, einer schmerzhaften Erkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern. Doch nicht nur das: Studien deuten darauf hin, dass Hyperurikämie auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnte. Aber was bedeutet das genau? Und können Medikamente, die den Harnsäurespiegel senken, dieses Risiko verringern?

Was ist Hyperurikämie und warum ist sie problematisch?

Hyperurikämie liegt vor, wenn der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch ist. Harnsäure entsteht, wenn der Körper Purine abbaut, die in bestimmten Lebensmitteln und körpereigenen Zellen vorkommen. Normalerweise wird Harnsäure über die Nieren ausgeschieden. Bei Hyperurikämie funktioniert dieser Prozess nicht richtig, und die Harnsäure sammelt sich im Blut an.

Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel kann zu Gicht führen. Gicht verursacht starke Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen in den Gelenken. Doch Hyperurikämie ist nicht nur ein Problem für die Gelenke. Sie kann auch die Blutgefäße schädigen und das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Wie hängen Hyperurikämie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen?

Forscher haben herausgefunden, dass Menschen mit Hyperurikämie ein höheres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (engl. Major Adverse Cardiovascular Events, MACE) haben. Dazu gehören Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere gefährliche Komplikationen. Eine große Studie zeigte, dass das Risiko für MACE bei Hyperurikämie-Patienten um 72 % höher war als bei Menschen mit normalen Harnsäurewerten.

Warum ist das so? Harnsäure kann die Innenwände der Blutgefäße schädigen. Diese Schäden führen zu Entzündungen und verengten Gefäßen, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöht. Zusätzlich kann Hyperurikämie auch andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes verschlimmern.

Können harnsäuresenkende Medikamente das Risiko senken?

Um das zu klären, haben Forscher eine umfangreiche Analyse von Studien durchgeführt. Sie untersuchten, ob Medikamente, die den Harnsäurespiegel senken, auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können. Diese Medikamente werden als urat-senkende Therapien (ULT) bezeichnet. Zu den wichtigsten ULTs gehören Xanthinoxidase-Hemmer (XOIs) wie Allopurinol und Febuxostat.

Die Analyse ergab, dass XOIs bei Patienten mit niedrigem Herz-Kreislauf-Risiko das Risiko für MACE und andere Herz-Kreislauf-Ereignisse deutlich senken konnten. In fünf Studien mit niedrigem Risiko reduzierte die Einnahme von XOIs das Risiko für MACE um 65 % und das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt um 39 %.

Bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko waren die Ergebnisse weniger eindeutig. Zwei Studien zeigten, dass XOIs das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse senken konnten, aber keinen signifikanten Einfluss auf MACE hatten.

Sind Allopurinol und Febuxostat sicher für das Herz?

Allopurinol und Febuxostat sind die am häufigsten verwendeten XOIs. Allopurinol wird seit 1965 eingesetzt, während Febuxostat 2008 in der Europäischen Union zugelassen wurde. Beide Medikamente senken den Harnsäurespiegel effektiv, aber es gab Bedenken, dass Febuxostat das Risiko für herzbedingte Todesfälle erhöhen könnte.

Die Analyse zeigte jedoch, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Herzsicherheit zwischen Allopurinol und Febuxostat gab. Beide Medikamente waren in dieser Hinsicht vergleichbar.

Was bedeutet das für Patienten mit Hyperurikämie?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hyperurikämie ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. XOIs könnten bei Patienten mit niedrigem Herz-Kreislauf-Risiko helfen, dieses Risiko zu verringern. Allerdings sind weitere Studien notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die Langzeitwirkungen von ULTs zu untersuchen.

Für Patienten mit Hyperurikämie ist es wichtig, ihren Harnsäurespiegel regelmäßig zu kontrollieren und mit ihrem Arzt über mögliche Behandlungsoptionen zu sprechen. Eine gesunde Lebensweise, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung, kann ebenfalls dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.

Fazit

Hyperurikämie ist nicht nur ein Problem für die Gelenke, sondern auch für das Herz. Studien zeigen, dass Menschen mit Hyperurikämie ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Medikamente wie Allopurinol und Febuxostat können den Harnsäurespiegel senken und möglicherweise das Herz-Kreislauf-Risiko verringern. Allerdings sind weitere Forschungen notwendig, um die Langzeitwirkungen dieser Therapien besser zu verstehen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000682

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