Entzündlicher Brustkrebs: Was macht ihn so aggressiv und wie wird er behandelt?
Entzündlicher Brustkrebs (engl. Inflammatory Breast Cancer, IBC) ist eine seltene, aber besonders aggressive Form von Brustkrebs. Er macht nur etwa 2 % aller Brustkrebsfälle aus, ist jedoch für einen großen Teil der Todesfälle verantwortlich. Warum ist diese Krebsart so gefährlich, und wie können wir sie besser verstehen und behandeln? Eine aktuelle Studie aus China gibt neue Einblicke.
Was ist entzündlicher Brustkrebs?
Entzündlicher Brustkrebs unterscheidet sich von anderen Brustkrebsarten durch seine schnelle Ausbreitung und die typischen Symptome. Patienten bemerken oft eine Rötung der Haut, Schwellungen und eine Orangenhaut-ähnliche Struktur (Peau d’orange). Anders als bei anderen Brustkrebsarten gibt es meist keinen tastbaren Knoten. Stattdessen breitet sich der Krebs über die Lymphbahnen in der Haut aus, was die Diagnose erschwert.
Warum ist die Studie wichtig?
Bisher stammte das meiste Wissen über entzündlichen Brustkrebs aus Studien in westlichen Ländern. Die chinesische Studie, die unter der Leitung der Chinese Society of Breast Surgery (CSBrs-007) durchgeführt wurde, ist eine der ersten, die sich speziell mit dieser Krebsart in der chinesischen Bevölkerung beschäftigt. Die Forscher untersuchten 95 Patienten aus 30 verschiedenen Kliniken in China, um ein besseres Verständnis der Krankheit zu gewinnen.
Wer ist betroffen?
Die Studie zeigte, dass die meisten Patienten im Durchschnitt 50,55 Jahre alt waren. Über die Hälfte der Betroffenen war vor den Wechseljahren (54,4 %), und 8,5 % hatten eine familiäre Vorgeschichte mit Krebserkrankungen. Die Mehrheit der Patienten wurde in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert: 80 % hatten Stadium III, und 20 % hatten bereits Metastasen (Streuungen) in anderen Körperteilen, am häufigsten in den Knochen.
Welche Arten von Tumoren gibt es?
Die meisten Tumoren waren invasive duktale Karzinome (86,8 %), eine Form von Brustkrebs, die in den Milchgängen beginnt. Seltener waren invasive lobuläre Karzinome (5,3 %), die in den Drüsenläppchen entstehen. Die Forscher untersuchten auch die molekularen Eigenschaften der Tumoren und fanden heraus, dass die häufigste Unterart hormonrezeptorpositiv (HR+) und HER2-negativ (41,5 %) war. Andere Unterarten waren HR-negativ/HER2-positiv (20,1 %), HR-positiv/HER2-positiv (19,1 %) und HR-negativ/HER2-negativ (19,1 %).
Wie wird entzündlicher Brustkrebs behandelt?
Die Behandlung von entzündlichem Brustkrebs ist komplex und umfasst oft mehrere Therapieformen. In der Studie erhielten 87,7 % der Patienten mit Stadium III eine neoadjuvante Chemotherapie, also eine Chemotherapie vor der Operation. Die meisten Patienten wurden mit Anthrazyklinen und Taxanen behandelt, zwei gängigen Chemotherapie-Medikamenten. Bei 91,9 % der Patienten wurde eine Operation durchgeführt, meist eine modifizierte radikale Mastektomie (77,0 %), bei der die gesamte Brust und die Lymphknoten entfernt werden.
Ein interessanter Aspekt der Studie war die Rolle der Brustrekonstruktion. Traditionell wurde eine sofortige Brustrekonstruktion bei entzündlichem Brustkrebs vermieden, da Bedenken über ein erhöhtes Rückfallrisiko bestanden. In dieser Studie jedoch erhielten 8,1 % der Patienten eine sofortige Rekonstruktion, was auf eine Veränderung in der klinischen Praxis hinweist.
Wie wirksam ist die Behandlung?
Die Forscher untersuchten auch, wie gut die Chemotherapie bei den Patienten wirkte. Bei 14 % der Patienten wurde eine vollständige pathologische Reaktion (pCR) festgestellt, was bedeutet, dass nach der Chemotherapie keine Krebszellen mehr nachweisbar waren. Die Studie zeigte außerdem, dass die Wirksamkeit der Chemotherapie je nach molekularer Unterart des Tumors variierte. Tumoren, die HR-positiv/HER2-negativ oder HR-negativ/HER2-negativ waren, zeigten die größten Unterschiede in der Chemotherapie-Wirksamkeit.
Was sind die Herausforderungen?
Trotz der Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Entzündlicher Brustkrebs wird oft erst spät erkannt, was die Behandlung erschwert. Die Studie zeigte, dass 75,8 % der Patienten bereits Lymphknotenmetastasen hatten, und 21,4 % hatten Fernmetastasen bei der Diagnose. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer frühen Erkennung und einer aggressiven Behandlung.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse über entzündlichen Brustkrebs in China und zeigt, dass die Krankheit auch in dieser Population besonders aggressiv ist. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung einer individuellen, auf die molekulare Unterart abgestimmten Behandlung. Außerdem deuten sie darauf hin, dass die Brustrekonstruktion in ausgewählten Fällen eine Option sein könnte, was die Lebensqualität der Patienten verbessern kann.
Fazit
Entzündlicher Brustkrebs bleibt eine schwere und komplexe Erkrankung, die eine sorgfältige und vielschichtige Behandlung erfordert. Die Studie aus China trägt dazu bei, die Krankheit besser zu verstehen und bietet eine Grundlage für zukünftige Forschung und verbesserte Therapien.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001104