Endometriumkarzinom: Warum steigen die Fälle weltweit an?
Und warum gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern?
Endometriumkarzinom (EC), auch Gebärmutterkörperkrebs genannt, ist die häufigste Krebsart der weiblichen Geschlechtsorgane in Industrieländern. In China steht es an zweiter Stelle. Weltweit ist es die zweithäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Im Jahr 2020 gab es schätzungsweise 97.370 Todesfälle, was einer altersstandardisierten Sterberate (ASMR) von 1,8 pro 100.000 Frauen entspricht. Doch die Zahlen variieren stark zwischen den Ländern und Regionen. Zum Beispiel ist die altersstandardisierte Erkrankungsrate (ASIR) in Nordamerika mit 21,1 pro 100.000 Frauen am höchsten, während sie in Subsahara-Afrika mit 2,3 pro 100.000 Frauen am niedrigsten ist. Ähnlich ist die Sterberate in Osteuropa mit 3,7 pro 100.000 Frauen am höchsten und in Nordafrika mit 0,7 pro 100.000 Frauen am niedrigsten. Diese Unterschiede zeigen, wie komplex das Problem weltweit ist.
Was sagt die Global Burden of Disease (GBD)-Studie?
Die GBD-Studie, die seit 1990 durchgeführt wird, sammelt und analysiert Daten zu Krankheitsfällen, Sterblichkeit und Bevölkerungsentwicklung weltweit. Die neuesten Ergebnisse aus dem Jahr 2019 geben Einblicke in die Entwicklung des Endometriumkarzinoms zwischen 1990 und 2019. Diese Studie untersucht altersstandardisierte Erkrankungs- und Sterberaten sowie zeitliche Trends mithilfe spezieller statistischer Methoden.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Daten stammen aus der Global Health Data Exchange (GHDx), einer öffentlichen Plattform des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME). Länder wurden nach ihrem soziodemografischen Index (SDI) in fünf Gruppen eingeteilt und in 21 geografische Regionen unterteilt. Erkrankungs- und Sterbefälle sowie altersstandardisierte Raten wurden für den Zeitraum 1990 bis 2019 analysiert. Der Human Development Index (HDI) wurde ebenfalls berücksichtigt, um Zusammenhänge mit EC zu untersuchen.
Statistische Analysen umfassten die Berechnung der jährlichen prozentualen Veränderung (APC) und der durchschnittlichen jährlichen prozentualen Veränderung (AAPC) mithilfe von Joinpoint-Regressionsanalysen. Alle Raten wurden altersstandardisiert, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Die Analysen wurden mit der Software R durchgeführt, wobei ein P-Wert unter 0,05 als statistisch signifikant galt.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Globale und regionale Erkrankungs- und Sterberaten
Weltweit stiegen die Erkrankungsfälle von 187.191 im Jahr 1990 auf 435.041 im Jahr 2019. Die ASIR erhöhte sich von 8,7 auf 10,0 pro 100.000 Frauen. Die höchsten Raten wurden 2019 in Nordamerika (27,8 pro 100.000 Frauen) und Osteuropa (27,5 pro 100.000 Frauen) gemessen. Die niedrigsten Raten gab es in Westafrika (2,6 pro 100.000 Frauen). Der stärkste Anstieg der ASIR wurde in der Region Asien-Pazifik mit hohem Einkommen (EAPC = 2,4) verzeichnet.
Die Sterbefälle stiegen weltweit von 56.130 im Jahr 1990 auf 91.641 im Jahr 2019. Die ASMR sank jedoch von 2,7 auf 2,1 pro 100.000 Frauen, was einem jährlichen Rückgang von 0,8 % entspricht. Der stärkste Rückgang der ASMR wurde in Regionen mit mittlerem bis hohem SDI (EAPC = -1,2) beobachtet. In Regionen mit niedrigem SDI gab es keine Veränderung.
Zeitliche Trends
Die ASIR stieg weltweit durchschnittlich um 0,5 % pro Jahr, während die ASMR um 0,8 % pro Jahr sank. Die ASIR zeigte vier unterschiedliche Trends: einen Anstieg von 1990 bis 1994, einen Rückgang von 1994 bis 1997, einen erneuten Anstieg von 1997 bis 2010 und einen leichten Rückgang von 2010 bis 2019. Die ASMR sank kontinuierlich, mit dem stärksten Rückgang von 2011 bis 2014 (APC = -1,8).
In Regionen mit hohem SDI und in Nordafrika sowie dem Nahen Osten stieg die ASIR am stärksten. Die ASMR sank am deutlichsten in Regionen mit mittlerem bis hohem SDI. In Regionen mit niedrigem SDI gab es jedoch einen leichten Anstieg der ASMR.
Zusammenhang zwischen HDI und EC
Es gab eine positive Korrelation zwischen dem HDI und der ASIR (r = 0,22), was bedeutet, dass Länder mit höherem HDI auch höhere Erkrankungsraten aufwiesen. Bei den Sterberaten wurde eine negative Korrelation (r = -0,13) festgestellt.
Warum gibt es diese Unterschiede?
Die Erkrankungs- und Sterberaten von EC variieren stark zwischen Regionen mit unterschiedlichem Entwicklungsstand. Höhere SDI- und HDI-Regionen haben oft höhere Raten von Fettleibigkeit und metabolischem Syndrom, die Risikofaktoren für EC sind. In Industrieländern wie Nordamerika und Europa steigen die Erkrankungsfälle kontinuierlich an.
Maßnahmen zur Reduzierung des EC-Risikos umfassen die Bekämpfung von Fettleibigkeit, Früherkennung durch Ultraschalluntersuchungen und Hormontherapie bei Vorstufen der Erkrankung. Die molekulare Klassifizierung von EC hilft bei der Diagnose und gezielten Behandlung.
Obwohl die Sterbefälle weltweit zugenommen haben, ist die ASMR deutlich gesunken. Einige Regionen wie die Karibik, Nordamerika und Teile Afrikas verzeichnen jedoch steigende Sterberaten.
Fazit
Die Erkrankungs- und Sterberaten von EC variieren stark zwischen Regionen mit unterschiedlichem Entwicklungsstand. Während die Erkrankungsfälle weltweit steigen, sinken die Sterberaten kontinuierlich. Diese Unterschiede helfen bei der Entwicklung gezielter Strategien zur Prävention und Behandlung sowie bei der Verteilung medizinischer Ressourcen.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000002841