Eisenmangel und Schilddrüsen-Autoimmunität: Ein Risiko für Frauen im gebärfähigen Alter?
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie wichtig Eisen für Ihre Gesundheit ist? Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter kann ein Eisenmangel schwerwiegende Folgen haben. Eine aktuelle Studie aus China hat gezeigt, dass Eisenmangel mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsen-Autoimmunität (TAI) verbunden ist. Aber was bedeutet das genau? Und warum sollten Sie darauf achten?
Was ist Schilddrüsen-Autoimmunität?
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ im Hals, das Hormone produziert, die für viele Körperfunktionen wichtig sind. Bei einer Schilddrüsen-Autoimmunität greift das Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse an. Dies kann zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse führen. Besonders bei schwangeren Frauen kann TAI zu Komplikationen wie Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen des Babys führen.
Die Rolle von Eisen in der Schilddrüsenfunktion
Eisen ist ein essentielles Mineral, das für viele Körperfunktionen benötigt wird, einschließlich der Produktion von Schilddrüsenhormonen. Eisenmangel kann die Aktivität eines Enzyms namens Schilddrüsenperoxidase (TPO) reduzieren, das für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen wichtig ist. Ein Mangel an TPO kann zu niedrigeren Schilddrüsenhormonspiegeln führen und die Wirksamkeit von Jodprophylaxe verringern. Auf der anderen Seite kann ein Eisenüberschuss oxidativen Stress und Entzündungen verursachen, was Autoimmunprozesse verschlimmern kann.
Die Studie: Wer wurde untersucht und was wurde gemessen?
Die Studie wurde in der chinesischen Provinz Liaoning zwischen 2012 und 2015 durchgeführt. Es wurden 7463 schwangere Frauen im ersten Trimester und 2185 nicht-schwangere Frauen im gebärfähigen Alter untersucht. Die Teilnehmerinnen wurden in 19 Krankenhäusern der höchsten Qualitätsstufe rekrutiert. Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Schilddrüsenerkrankungen oder anderen chronischen Krankheiten sowie diejenigen, die Medikamente einnahmen, die die Schilddrüsenfunktion beeinflussen könnten, wurden ausgeschlossen.
Bei den Teilnehmerinnen wurden Blutproben entnommen, um die Werte von Schilddrüsen-stimulierendem Hormon (TSH), freiem Thyroxin (FT4), Schilddrüsenperoxidase-Antikörpern (TPOAbs), Thyreoglobulin-Antikörpern (TgAbs), Serumferritin (SF) und Jod im Urin (UI) zu messen. Eisenmangel wurde definiert als SF <15 mg/L, Eisenüberladung als SF >150 mg/L. TPOAb-positiv wurde definiert als >34 U/mL, TgAb-positiv als >115 U/mL.
Die Ergebnisse: Was hat die Studie herausgefunden?
Die Studie zeigte, dass die Prävalenz von isoliertem TPOAb-positiv bei Frauen mit Eisenmangel signifikant höher war als bei Frauen ohne Eisenmangel, sowohl bei schwangeren als auch bei nicht-schwangeren Frauen (6,28% vs. 3,23% und 6,25% vs. 3,70%). Nach Anpassung für Störfaktoren und den Cluster-Effekt der Krankenhäuser blieb Eisenmangel mit TPOAb-positiv in beiden Gruppen verbunden (Odds Ratio [OR]: 2,111, 95% Konfidenzintervall [CI]: 1,241–3,591 für schwangere Frauen; OR: 1,822, 95% CI: 1,011–3,282 für nicht-schwangere Frauen). Eisenmangel war jedoch nicht mit isoliertem TgAb-positiv in beiden Gruppen verbunden. Eisenüberladung war weder mit isoliertem TPOAb-positiv noch mit isoliertem TgAb-positiv verbunden.
Die Studie beobachtete auch, dass schwangere Frauen niedrigere TSH- und TPOAb-Werte, aber höhere SF- und FT4-Werte hatten als nicht-schwangere Frauen. Die Prävalenz von Eisenmangel war bei schwangeren Frauen niedriger als bei nicht-schwangeren Frauen (5,15% vs. 11,72%). Der FT4-Spiegel war in der Eisenmangelgruppe niedriger, aber in der Eisenüberladungsgruppe höher als in der Kontrollgruppe bei beiden Gruppen. Die medianen TSH-Werte waren in der Eisenmangelgruppe ähnlich wie in der Kontrollgruppe, aber in der Eisenüberladungsgruppe niedriger als in der Kontrollgruppe bei schwangeren Frauen.
Eine weitere Analyse zeigte, dass die Prävalenz von isoliertem TPOAb-positiv mit dem Schweregrad des Eisenmangels bei schwangeren Frauen zunahm. Die Prävalenz betrug 11,76% in der schweren Eisenmangelgruppe und 5,75% in der milden Eisenmangelgruppe, beide signifikant höher als in der Kontrollgruppe (3,23%). Bei nicht-schwangeren Frauen betrug die Prävalenz von isoliertem TPOAb-positiv 7,48% in der milden Eisenmangelgruppe, signifikant höher als in der Kontrollgruppe (3,70%). Eine solche dosisabhängige Beziehung wurde für isoliertes TgAb-positiv nicht beobachtet.
Eine multivariable logistische Regressionsanalyse bestätigte, dass Eisenmangel nach Anpassung für Störfaktoren mit isoliertem TPOAb-positiv in beiden Gruppen verbunden blieb. Eine Mehrebenen-Regressionsanalyse, die den Cluster-Effekt der Krankenhäuser berücksichtigte, ergab ähnliche Ergebnisse. Eisenmangel war nicht mit isoliertem TgAb-positiv in beiden Gruppen verbunden.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Eisenmangel ein signifikanter Faktor ist, der mit einer erhöhten Prävalenz von isoliertem TPOAb-positiv bei schwangeren und nicht-schwangeren Frauen im gebärfähigen Alter verbunden ist. Diese Assoziation könnte auf die Beeinträchtigung der TPO-Aktivität durch Eisenmangel zurückzuführen sein, was zu einer erhöhten Schilddrüsen-Autoimmunität führt. Die Studie fand keine ähnliche Assoziation zwischen Eisenmangel und isoliertem TgAb-positiv, noch eine Assoziation zwischen Eisenüberladung und Schilddrüsen-Autoimmunität.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Studie hat mehrere Stärken, darunter die große Stichprobengröße, die Messung von TPOAbs und TgAbs sowie die Kontrolle des Jodstatus und anderer potenzieller Störfaktoren. Allerdings hat sie auch Einschränkungen. Der Querschnittsdesign erlaubt keine Feststellung von Kausalität, und die Studie wurde in einem Jod-ausreichenden Gebiet durchgeführt, was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse auf Jod-mangelnde oder -übermäßige Regionen einschränkt. Darüber hinaus wurde der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR) nicht gemessen, was eine genauere Bewertung des Gesamtkörpereisens ermöglicht hätte.
Zusammenfassung
Diese Studie unterstreicht die signifikante Assoziation zwischen Eisenmangel und der Prävalenz von isoliertem TPOAb-positiv bei schwangeren und nicht-schwangeren Frauen im gebärfähigen Alter. Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, den Eisenstatus bei Frauen im gebärfähigen Alter zu überwachen, um das Risiko von Schilddrüsen-Autoimmunität und den damit verbundenen negativen Folgen zu verringern. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000409