Desflurane oder totale intravenöse Anästhesie: Was ist besser für die Effizienz im Operationssaal bei ambulanten Schieloperationen?

Desflurane oder totale intravenöse Anästhesie: Was ist besser für die Effizienz im Operationssaal bei ambulanten Schieloperationen?

Bei ambulanten Augenoperationen, insbesondere bei der Korrektur von Schielen, wird immer häufiger eine Vollnarkose eingesetzt, um den Komfort der Patienten zu erhöhen und den Ablauf zu beschleunigen. Doch welche Art der Narkose ist die beste Wahl? Die Entscheidung zwischen einer Inhalationsnarkose mit Desflurane (DES) und einer totalen intravenösen Anästhesie (TIVA) mit Propofol und Remifentanil hängt oft davon ab, wie sie die sogenannte „anästhesiekontrollierte Zeit“ (ACT) beeinflusst. Diese Zeit umfasst die Einleitung der Narkose, das Aufwachen und das Verlassen des Operationssaals. Sie ist entscheidend für die Effizienz im OP, besonders in Kliniken, die jährlich Tausende von Schieloperationen durchführen.

Studie: Desflurane versus TIVA bei Schieloperationen

Eine aktuelle Studie hat untersucht, welche Methode die ACT verkürzt und gleichzeitig eine stabile Kreislaufsituation gewährleistet. Die Studie verglich die beiden Narkoseverfahren bei 200 Patienten, die sich einer Schieloperation unterzogen.

Wer nahm an der Studie teil?

Die Studie umfasste 200 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahren, die in guter körperlicher Verfassung waren (ASA I–II). Ausgeschlossen wurden Personen mit starkem Übergewicht (BMI >30 kg/m²), Herz- oder Lungenerkrankungen, Medikamentenallergien, chronischen Schmerzen oder solchen, die nicht teilnehmen wollten. Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: 100 erhielten eine Inhalationsnarkose mit Desflurane (DES), die anderen 100 eine totale intravenöse Anästhesie (TIVA).

Wie wurde die Narkose durchgeführt?

Einleitung der Narkose: Bei beiden Gruppen wurde die Narkose gleich eingeleitet: mit Propofol (2 mg/kg), Fentanyl (1 µg/kg) und Cisatracurium (0,1 mg/kg). Zusätzlich erhielten alle Patienten Schmerzmittel und Medikamente gegen Übelkeit.

Aufrechterhaltung der Narkose:

  • TIVA-Gruppe: Propofol und Remifentanil wurden über eine Infusion verabreicht.
  • DES-Gruppe: Die Patienten atmeten Desflurane (6–8 Vol%) in reinem Sauerstoff ein.

Die Tiefe der Narkose wurde mit einem speziellen Monitor (BIS) überwacht. Bei Blutdruckabfall, langsamen Herzschlag oder einer speziellen Reaktion bei der Augenmuskelarbeit (okulokardialer Reflex, OCR) wurden sofort Gegenmaßnahmen ergriffen.

Was wurde gemessen?

Hauptziel: Die Zeit vom Ende der Operation bis zur Entfernung des Atemschutzgeräts (Extubationszeit).
Nebenziele: Operationsdauer, Anästhesiedauer, Zeit bis zum Verlassen des OP-Saals, Erholungszeiten in der Aufwachphase und mögliche Komplikationen wie Übelkeit oder Schmerzen.

Ergebnisse

Demografie: Beide Gruppen waren in Alter, Geschlecht und Körpergewicht ähnlich.

ACT und Erholungszeiten:

  1. Extubationszeit: Die DES-Gruppe hatte eine deutlich kürzere Extubationszeit (5,5 Minuten) im Vergleich zur TIVA-Gruppe (9,7 Minuten).
  2. OP-Saal-Verlassenszeit: Auch hier war die DES-Gruppe schneller (7,3 Minuten vs. 10,8 Minuten).
  3. Operations- und Anästhesiedauer: Hier gab es keine Unterschiede.
  4. Erholungsphasen: Die Zeiten in der Aufwachphase waren ähnlich.

Kreislaufstabilität:

  • Niedriger Blutdruck: TIVA-Patienten hatten häufiger niedrigen Blutdruck (22% vs. 1% bei DES).
  • Langsamer Herzschlag: Auch hier war die TIVA-Gruppe stärker betroffen (13% vs. 2%).
  • Okulokardialer Reflex (OCR): TIVA-Patienten zeigten häufiger diese Reaktion (44% vs. 17%).

Komplikationen nach der Operation:

  • Im Krankenhaus: Husten trat bei 3% der DES-Patienten auf, bei TIVA gab es keine Fälle. Übelkeit und Schmerzen waren in beiden Gruppen ähnlich.
  • Nach der Entlassung: Hier gab es keine signifikanten Unterschiede.

Diskussion

Effizienz im OP: Die schnelle Wirkung von Desflurane ermöglichte ein schnelleres Aufwachen und ein rascheres Verlassen des OP-Saals. Dies ist besonders in Kliniken mit vielen Operationen pro Tag von Vorteil.

Kreislaufvorteile: Desflurane zeigte eine stabilere Kreislaufsituation und reduzierte die Häufigkeit des okulokardialen Reflexes. Propofol und Remifentanil führten häufiger zu niedrigem Blutdruck und langsamem Herzschlag.

Klinische Bedeutung:

  • OP-Durchsatz: Kürzere ACT-Zeiten ermöglichen eine bessere Planung und reduzieren die Kosten.
  • Stabilität bei Augenoperationen: Desflurane ist besonders bei Operationen geeignet, die empfindlich auf den okulokardialen Reflex reagieren.
  • Einschränkungen: Die Studie schloss Patienten mit höherem Risiko aus, was die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse einschränkt.

Sicherheit: Ein leichtes Husten beim Aufwachen trat bei 3% der DES-Patienten auf. Dies kann durch eine sorgfältige Narkoseführung vermieden werden.

Fazit

Bei ambulanten Schieloperationen bietet Desflurane Vorteile in Bezug auf die Effizienz im OP und die Kreislaufstabilität. Es ist eine gute Wahl für Kliniken, die viele Operationen pro Tag durchführen. Weitere Studien sollten die Anwendung von Desflurane bei komplexeren Augenoperationen und bei Patienten mit höherem Risiko untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000728
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