Darmkrebs vorbeugen: Was hilft wirklich?
Einleitung
Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in China. Viele Menschen fragen sich: Wie kann man das Risiko verringern? Darmpolypen, auch Adenome genannt, gelten als Vorstufen von Darmkrebs. Besonders große oder fortgeschrittene Adenome haben ein höheres Risiko, bösartig zu werden. Eine Darmspiegelung kann diese Polypen erkennen und entfernen. Doch viele Menschen scheuen diese Untersuchung wegen der Kosten, der Verfügbarkeit oder der Unannehmlichkeiten. Außerdem können Polypen auch nach der Entfernung wiederkommen. Daher suchen Forscher nach zusätzlichen Möglichkeiten, das Risiko zu senken – zum Beispiel durch Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel.
Aspirin, bestimmte Schmerzmittel (sogenannte Coxibe), Kalzium, Vitamin D und Folsäure wurden bereits untersucht. Frühere Studien zeigen, dass Aspirin und Coxibe die Rückkehr von Polypen verringern können. Aber viele Fragen bleiben offen: Welche Mittel sind am wirksamsten? Und wie sicher sind sie? Diese Studie hat die verfügbaren Daten systematisch ausgewertet, um Antworten zu finden.
Methoden
Suche und Auswahl der Studien
Die Forscher durchsuchten wissenschaftliche Datenbanken wie PubMed, Embase und die Cochrane Library nach Studien, die bis zum 31. Oktober 2021 veröffentlicht wurden. Sie suchten nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die verschiedene Mittel wie niedrig dosiertes Aspirin, hoch dosiertes Aspirin, Coxibe, Kalzium, Vitamin D, Folsäure und andere mit einem Placebo oder anderen Behandlungen verglichen. Studien zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder erblichen Krebsformen wurden ausgeschlossen.
Datenerfassung und Bewertung
Zwei unabhängige Gutachter sammelten Daten zu Studiendesign, Teilnehmern, Behandlungen und Ergebnissen. Die Wirksamkeit wurde anhand der Häufigkeit von Darmpolypen, fortgeschrittenen Polypen, Rückfällen nach Entfernung und Darmkrebs gemessen. Die Sicherheit wurde anhand schwerer Nebenwirkungen wie Herz-Kreislauf-Problemen, Magenblutungen, Schlaganfällen, Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen bewertet. Die Qualität der Studien wurde mit dem Cochrane-Risiko-bewertungs-Tool geprüft.
Statistische Analyse
Die Forscher führten Metaanalysen durch, um die Ergebnisse zu kombinieren. Sie verwendeten ein Netzwerk-Metaanalyse-Modell (NMA), um direkte und indirekte Vergleiche zwischen den Behandlungen zu bewerten. Die Ergebnisse wurden in Risikoverhältnissen (RR) mit 95 % Konfidenzintervallen (KI) dargestellt. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlungen wurde anhand von SUCRA-Werten (Surface Under the Cumulative Ranking Curve) bewertet. Die Qualität der Beweise wurde nach dem GRADE-System eingestuft.
Ergebnisse
Merkmale der Studien
32 Studien mit 278.694 Teilnehmern wurden ausgewertet. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Menschen mit einem hohen Risiko für Darmkrebs, zum Beispiel mit früheren Polypen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 59,4 Jahre, und die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit lag bei 3,8 Jahren.
Wirksamkeit
1. Häufigkeit von Darmpolypen
- Coxibe reduzierten das Risiko für Polypen im Vergleich zu Placebo deutlich (RR: 0,59, 95 % KI: 0,44–0,79). Sie waren wirksamer als Vitamin D (RR: 0,57, 95 % KI: 0,35–0,93) und schnitten in der Rangliste am besten ab (SUCRA: 0,89).
- Niedrig dosiertes Aspirin zeigte keine signifikante Risikoreduktion (RR: 0,78, 95 % KI: 0,45–1,34). Eine Untergruppenanalyse deutete jedoch auf eine bessere Wirksamkeit bei einer Anwendung von mehr als fünf Jahren hin (RR: 0,68, 95 % KI: 0,49–0,96).
- Andere Mittel wie Kalzium, Vitamin D, Folsäure und Ursodeoxycholsäure (UDCA) zeigten keine signifikanten Effekte.
2. Häufigkeit von fortgeschrittenen Polypen
- Coxibe reduzierten das Risiko für fortgeschrittene Polypen im Vergleich zu Placebo (RR: 0,63, 95 % KI: 0,43–0,92) und Folsäure (RR: 0,60, 95 % KI: 0,36–0,98).
- Keine anderen Mittel zeigten signifikante Vorteile.
3. Rückfall von Polypen nach Entfernung
- Coxibe senkten das Rückfallrisiko im Vergleich zu Placebo deutlich (RR: 0,58, 95 % KI: 0,43–0,79) und waren wirksamer als Folsäure (RR: 0,52, 95 % KI: 0,32–0,83) und Vitamin D (RR: 0,48, 95 % KI: 0,24–0,96).
- Niedrig dosiertes Aspirin zeigte einen leichten Vorteil (RR: 0,75, 95 % KI: 0,57–0,99).
4. Häufigkeit von Darmkrebs
Keines der Mittel reduzierte das Darmkrebsrisiko signifikant im Vergleich zu Placebo.
Sicherheit
- Coxibe erhöhten das Risiko für schwere Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo (RR: 1,29, 95 % KI: 1,13–1,47), insbesondere Herz-Kreislauf-Probleme und Magenblutungen.
- Aspirin und andere Mittel zeigten keine signifikante Erhöhung des Risikos für schwere Nebenwirkungen.
Diskussion
Diese Studie fasst die Ergebnisse von 32 Studien zusammen und liefert wichtige Erkenntnisse:
- Coxibe sind wirksam bei der Vorbeugung von Polypen, bergen aber erhebliche Sicherheitsrisiken. Daher sind sie nicht für die Routinevorbeugung geeignet.
- Niedrig dosiertes Aspirin könnte bei langfristiger Anwendung Vorteile bieten, aber die Beweise sind noch nicht ausreichend.
- Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium, Vitamin D und Folsäure zeigen keine klaren Vorteile bei der Vorbeugung von Darmkrebs.
- Darmkrebs wurde durch keines der Mittel signifikant reduziert, möglicherweise weil die Nachbeobachtungszeit zu kurz war.
Stärken und Grenzen
Die Studie umfasst eine große Anzahl von Teilnehmern und eine breite Palette von Behandlungen. Allerdings gibt es Unterschiede im Studiendesign und in der Nachbeobachtungszeit. Langzeitdaten zur Sicherheit von Coxiben und Aspirin fehlen weitgehend.
Schlussfolgerungen
Coxibe sind wirksam, aber mit erheblichen Risiken verbunden. Niedrig dosiertes Aspirin könnte bei langfristiger Anwendung helfen, aber weitere Forschung ist nötig. Nahrungsergänzungsmittel bieten keine ausreichenden Vorteile. Die Darmspiegelung bleibt die wichtigste Methode zur Vorbeugung von Darmkrebs.
Weitere Forschung sollte die langfristigen Auswirkungen, die optimale Dosierung und individuelle Strategien basierend auf genetischen Risikoprofilen untersuchen.
For educational purposes only.
https://doi.org/10.1097/CM9.0000000000002514