Darmkrebs in China: Warum sterben immer mehr Menschen daran?
Darmkrebs (Colorectal Cancer, CRC) ist in China zu einem großen Gesundheitsproblem geworden. Er ist die vierthäufigste Todesursache durch Krebs. Zwischen 2005 und 2020 stieg die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs um fast 60%. Warum ist das so? Und was kann dagegen getan werden?
Woher kommen die Daten?
Die Studie nutzte Daten aus dem Nationalen Sterblichkeitsüberwachungssystem (NMSS) in China. Dieses System erfasst Informationen von über 300 Millionen Menschen in 605 Überwachungsgebieten. Das entspricht etwa 24% der chinesischen Bevölkerung. Die Daten wurden angepasst, um Fehler durch Untererfassung zu korrigieren.
Die Forscher berechneten die Sterblichkeitsraten für Darmkrebs (ICD-10 Codes C18–C21.8) und analysierten, wie viele Lebensjahre durch vorzeitige Todesfälle verloren gingen (Years of Life Lost, YLL). Diese Methode zeigt, wie stark eine Krankheit die Lebenserwartung beeinflusst.
Nationale Trends: Mehr Todesfälle, aber weniger Risiko?
Zwischen 2005 und 2020 stieg die Zahl der Darmkrebs-Todesfälle von 111.410 auf 178.020. Das ist ein Anstieg von fast 60%. Allerdings sank die altersbereinigte Sterblichkeitsrate (ASMR) leicht von 10,01 auf 9,68 pro 100.000 Einwohner. Das bedeutet, dass das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, leicht zurückging.
Männer waren stärker betroffen als Frauen. Im Jahr 2020 starben 100.700 Männer an Darmkrebs, verglichen mit 77.300 Frauen. Die Sterblichkeitsrate bei Männern war 50% höher als bei Frauen.
Regionale Unterschiede: Wo ist das Risiko am höchsten?
Es gab große Unterschiede zwischen den Provinzen. Im Jahr 2020 war die Sterblichkeitsrate in Fujian (15,50 pro 100.000), Zhejiang (14,07) und Guangdong (13,05) am höchsten. Die niedrigsten Raten gab es in Tibet (3,93), Hebei (5,61) und Henan (5,90).
In Tibet stieg die Sterblichkeitsrate am stärksten (56,30%), während sie in Hebei am meisten sank (-37,90%). In wirtschaftlich entwickelten Regionen wie Shanghai und Beijing traten die meisten Todesfälle bei Menschen über 60 Jahren auf. In Tibet dagegen waren fast 40% der Todesfälle bei Menschen unter 40 Jahren.
Alter und Geschlecht: Wer ist am stärksten betroffen?
Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, stieg mit dem Alter. Im Jahr 2020 waren 70,73% der Todesfälle bei Menschen über 60 Jahren. Männer hatten in allen Altersgruppen höhere Sterblichkeitsraten als Frauen, außer bei den über 80-Jährigen.
Bei jüngeren Menschen gab es Fortschritte. Die Zahl der verlorenen Lebensjahre (YLL) sank in der Altersgruppe 0–29 Jahre um 2,14%. In der Provinz Shanxi war der Rückgang sogar 18,51%. Bei älteren Menschen (über 75 Jahre) stieg die Zahl der verlorenen Lebensjahre jedoch um 0,94%.
Was treibt die Veränderungen an?
Die Forscher analysierten, was die steigende Zahl der Todesfälle verursacht. Die Alterung der Bevölkerung war der wichtigste Faktor (55,84%). Das Bevölkerungswachstum trug 8,48% bei, während sinkende Sterblichkeitsraten den Anstieg um 4,53% reduzierten.
In Provinzen wie Beijing, Tianjin und Shanghai war das Bevölkerungswachstum der Hauptgrund für mehr Todesfälle. In Ningxia, Heilongjiang und Jilin hatte die Alterung den größten Einfluss. In Hebei, Jiangxi und Shanxi sanken die Sterblichkeitsraten am stärksten, was auf erfolgreiche Maßnahmen hinweist.
Was kann getan werden?
Die Studie zeigt, dass dringend Maßnahmen nötig sind, um die Belastung durch Darmkrebs zu verringern. Hier sind einige Vorschläge:
- Lebensstil ändern: Mehr Ballaststoffe, Kalzium und Milchprodukte essen. Weniger rotes Fleisch, Alkohol und Rauchen – besonders bei Männern.
- Früherkennung verbessern: Mehr Menschen sollten an Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, wie dem Stuhltest (FIT) oder der Darmspiegelung.
- Ressourcen gezielt einsetzen: Regionen mit begrenzten Ressourcen, wie Tibet und westliche Provinzen, brauchen mehr Unterstützung.
- Alternde Bevölkerung unterstützen: Bessere medizinische Versorgung für ältere Menschen, die am stärksten betroffen sind.
Grenzen der Studie
Die Daten des NMSS sind zuverlässig, aber es gab mögliche Fehler durch Untererfassung oder falsche Klassifizierung. Die Zahlen für 2019–2020 basieren auf Trends vor 2018 und könnten neuere Entwicklungen nicht vollständig erfassen.
Fazit
Darmkrebs ist in China ein wachsendes Problem. Die Studie zeigt, dass gezielte Maßnahmen nötig sind, um die Belastung zu verringern – besonders in Regionen mit hohen Sterblichkeitsraten und bei älteren Menschen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001625