COVID-19 bei Schwangeren und Nicht-Schwangeren: Was sagt die Forschung?
Die Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19), verursacht durch das schwere akute respiratorische Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2), hat sich zu einer globalen Gesundheitskrise entwickelt, die Menschen jeden Alters und Geschlechts betrifft. Schwangere Frauen stehen dabei vor besonderen Herausforderungen, da die physiologischen Veränderungen während der Schwangerschaft den Verlauf und die Prognose von Infektionskrankheiten beeinflussen können. Aber wie wirkt sich COVID-19 tatsächlich auf schwangere Frauen aus? Eine retrospektive Studie aus Wuhan, China, gibt Aufschluss.
Studiendesign und Teilnehmer
Diese retrospektive, einzentrische Kohortenstudie untersuchte Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren mit bestätigter COVID-19-Pneumonie, die zwischen dem 19. Januar und dem 1. April 2020 im Tongji-Krankenhaus in Wuhan behandelt wurden. Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine Gruppe von schwangeren Frauen und eine Gruppe von nicht-schwangeren Frauen. Die Schwangerengruppe wurde weiter in Frauen mit fortgesetzter Schwangerschaft und Frauen mit abgebrochener Schwangerschaft unterteilt, je nachdem, ob die Schwangerschaft während des Krankenhausaufenthalts beendet wurde. Die ethische Genehmigung wurde vom Ethikausschuss des Tongji-Krankenhauses erteilt, und die Einwilligung der Patienten wurde nicht benötigt.
Datenerfassung und Analyse
Die Studie sammelte und analysierte umfassende klinische Daten, darunter demografische Informationen, Krankengeschichte, Symptome bei Krankheitsbeginn, Laborbefunde, Brust-CT-Scans, SARS-CoV-2 RT-PCR-Ergebnisse, Behandlungen, Komplikationen und den Krankheitsverlauf. Laborbefunde innerhalb von sieben Tagen nach einem Schwangerschaftsabbruch wurden mit den Befunden bei der Aufnahme verglichen. Die Schwere von COVID-19 und die Entlassungskriterien wurden gemäß dem „New Coronavirus Pneumonia Prevention and Control Program“ (5. Ausgabe) definiert.
Klinische Merkmale und Laborbefunde
Die Studie umfasste 285 Frauen im gebärfähigen Alter mit COVID-19, darunter 30 schwangere und 255 nicht-schwangere Frauen. Das Durchschnittsalter der Schwangeren betrug 31 Jahre, das der Nicht-Schwangeren 36 Jahre. Fieber, Husten und Auswurf waren die häufigsten Anfangssymptome in beiden Gruppen. Auffällig war, dass 23,3 % der Schwangeren bei Krankheitsbeginn Durchfall hatten, verglichen mit 11,8 % der Nicht-Schwangeren.
Die Laborbefunde zeigten deutliche Unterschiede bei schwangeren Patientinnen. Die Schwangerengruppe hatte höhere Leukozytenzahlen (8,72 x 10^9/L vs. 5,36 x 10^9/L), höhere Neutrophilen-Prozentsätze (77,55 % vs. 58,90 %) und niedrigere Lymphozyten- (15,50 % vs. 29,60 %) und Monozyten-Prozentsätze (6,15 % vs. 8,10 %) im Vergleich zur Nicht-Schwangeren-Gruppe. Zudem wiesen Schwangere höhere D-Dimer-Werte (1,31 mg/mL vs. 0,32 mg/mL), hochsensitives C-reaktives Protein (16,65 mg/L vs. 2,50 mg/L), Blutsenkungsgeschwindigkeit (29,00 mm/1 h vs. 16,00 mm/1 h) und Interleukin-6-Werte (14,50 pg/mL vs. 4,46 pg/mL) auf.
Komplikationen und Behandlungen
Die Schwangerengruppe hatte einen geringeren Anteil an Atemwegsverletzungen (76,7 % vs. 92,5 %) und eine niedrigere Rate an antiviraler Therapie (70,0 % vs. 86,7 %) im Vergleich zur Nicht-Schwangeren-Gruppe. Allerdings benötigten Schwangere häufiger Sauerstoffunterstützung (86,7 % vs. 67,1 %). Es gab keine Todesfälle in der Schwangerengruppe, während sieben Todesfälle in der Nicht-Schwangeren-Gruppe gemeldet wurden. Die durchschnittliche Dauer von den Symptomen bis zur Entlassung war in der Schwangerengruppe deutlich kürzer (24 Tage vs. 31 Tage).
Fortgesetzte vs. abgebrochene Schwangerschaft
Vergleiche zwischen der Gruppe mit fortgesetzter Schwangerschaft (n = 8) und der Gruppe mit abgebrochener Schwangerschaft (n = 22) zeigten keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Komplikationen oder Prognose. Die durchschnittliche Dauer von den Symptomen bis zur Entlassung betrug 23 Tage in der Gruppe mit fortgesetzter Schwangerschaft und 24 Tage in der Gruppe mit abgebrochener Schwangerschaft. Laborindikatoren wie Lymphozyten-Prozentsatz, Neutrophilen-Prozentsatz und hochsensitives C-reaktives Protein zeigten leichte Veränderungen nach einem Schwangerschaftsabbruch, was darauf hindeutet, dass der physiologische und immunologische Zustand der Schwangerschaft reversibel ist.
Diskussion
Die Studie zeigt, dass schwangere und nicht-schwangere Frauen mit COVID-19 ähnliche epidemiologische Merkmale aufweisen, aber schwangere Patientinnen tendenziell mildere klinische Manifestationen, kürzere Krankenhausaufenthalte und spezifische Laborbefunde haben. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Schwangerschaft den Schweregrad von COVID-19 nicht verschlimmert und dass ein Schwangerschaftsabbruch die Prognose der Krankheit nicht wesentlich beeinflusst.
Die spezifischen Laborbefunde bei Schwangeren, wie höhere Leukozytenzahlen und Neutrophilen-Prozentsätze, könnten auf die physiologischen und immunologischen Veränderungen während der Schwangerschaft zurückzuführen sein und nicht auf eine bakterielle Co-Infektion. Die Studie unterstreicht auch die Bedeutung einer angepassten klinischen Betreuung für schwangere Frauen mit COVID-19, die ihren besonderen physiologischen Zustand berücksichtigt.
Zusammenfassung
Zusammenfassend liefert diese retrospektive Studie wertvolle Einblicke in die klinischen Merkmale und Ergebnisse von schwangeren und nicht-schwangeren Frauen mit COVID-19. Schwangere Patientinnen zeigten mildere klinische Manifestationen, kürzere Krankenhausaufenthalte und spezifische Laborbefunde, was darauf hindeutet, dass eine Schwangerschaft die Prognose von COVID-19 nicht verschlechtert. Weitere Forschung ist erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu klären und gezielte Interventionen für schwangere Frauen mit COVID-19 zu entwickeln.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001396