Brustkrebs und das Immunsystem: Kann die Abwehrkraft des Körpers den Krebs besiegen?
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen weltweit. Trotz Fortschritten in der Früherkennung und Behandlung bleibt metastasierender Brustkrebs oft schwer zu behandeln. Doch was, wenn das eigene Immunsystem dabei helfen könnte, den Krebs zu bekämpfen? Neue Therapien, die das Immunsystem aktivieren, könnten hier einen Durchbruch bedeuten. Dieser Artikel erklärt, wie das Immunsystem bei Brustkrebs eine Rolle spielt und welche neuen Behandlungsansätze es gibt.
Das Immunsystem und Brustkrebs: Freund oder Feind?
Das Immunsystem hat eine doppelte Aufgabe bei Krebs: Es kann den Tumor bekämpfen, aber auch sein Wachstum fördern. Die Idee der „Immunüberwachung“ besagt, dass der Körper Krebszellen erkennt und zerstört. Doch Tumore entwickeln Strategien, um dieser Überwachung zu entkommen. Sie können beispielsweise bestimmte Signale aussenden, die die Abwehrzellen des Immunsystems hemmen.
Bei Brustkrebs gibt es verschiedene Unterarten, die unterschiedliche Wege nutzen, um dem Immunsystem zu entgehen. Hormonrezeptor-positive Brustkrebsarten zeigen oft nur wenige Merkmale, die das Immunsystem erkennen kann. HER2-positive Tumore verstecken sich, indem sie bestimmte Proteine auf ihrer Oberfläche reduzieren. Der sogenannte dreifach-negative Brustkrebs (TNBC) schafft es, das Immunsystem durch ein spezielles Umfeld im Tumor zu unterdrücken.
Warum ist Brustkrebs schwer für das Immunsystem zu erkennen?
Damit das Immunsystem Krebszellen angreifen kann, müssen diese bestimmte Merkmale aufweisen. Diese Merkmale, auch Antigene genannt, können durch Mutationen im Erbgut der Krebszellen entstehen. Je mehr Mutationen ein Tumor hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem ihn erkennt.
Brustkrebs hat im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Lungenkrebs oder Hautkrebs weniger Mutationen. Das macht es für das Immunsystem schwieriger, den Tumor zu erkennen. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Brustkrebs-Unterarten. HER2-positive Tumore haben oft mehr Mutationen und können daher stärker vom Immunsystem angegriffen werden. Tumore, die keine Hormonrezeptoren haben, zeigen ebenfalls eine höhere Mutationslast.
Die Rolle der Immunzellen im Tumor
Ein wichtiger Hinweis auf die Aktivität des Immunsystems ist die Anzahl der Immunzellen, die in den Tumor einwandern. Diese Zellen, genannt Tumor-infiltrierende Lymphozyten (TILs), können zeigen, wie stark das Immunsystem den Tumor bekämpft. Bei dreifach-negativem Brustkrebs und HER2-positiven Tumoren ist eine hohe Anzahl von TILs oft mit einer besseren Prognose verbunden.
Es gibt verschiedene Arten von TILs. CD8+ T-Zellen, die Krebszellen direkt angreifen, sind ein gutes Zeichen. CD4+ T-Zellen haben eine komplexere Rolle, da sie sowohl helfen als auch hemmen können. Regulatorische T-Zellen (Tregs) unterdrücken das Immunsystem und können das Tumorwachstum fördern.
Der PD-1/PD-L1-Weg: Ein Schlüssel zur Immuntherapie
Ein wichtiger Mechanismus, mit dem Tumore das Immunsystem unterdrücken, ist der PD-1/PD-L1-Weg. PD-1 ist ein Protein auf der Oberfläche von Immunzellen, das deren Aktivität bremst. PD-L1 ist ein Protein, das von Tumorzellen produziert wird und an PD-1 bindet. Dadurch wird das Immunsystem gehemmt, und der Tumor kann ungestört wachsen.
Bei Brustkrebs wird PD-L1 in etwa 20% bis 34% der Fälle gefunden, besonders bei aggressiven Unterarten wie TNBC und HER2-positiven Tumoren. Die Bedeutung von PD-L1 für die Prognose ist umstritten: Einige Studien zeigen, dass es mit schlechteren Ergebnissen verbunden ist, während andere es mit einer besseren Überlebensrate in Verbindung bringen.
Neue Therapien: PD-1/PD-L1-Hemmer
Medikamente, die den PD-1/PD-L1-Weg blockieren, haben in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren sollen das Immunsystem wieder aktivieren, damit es den Tumor bekämpfen kann. Ein bekanntes Beispiel ist Pembrolizumab, das in Studien bei Patientinnen mit dreifach-negativem Brustkrebs eingesetzt wurde.
Allerdings haben diese Medikamente allein oft nur begrenzte Wirkung gezeigt. Deshalb werden sie häufig mit anderen Therapien kombiniert, um die Wirksamkeit zu erhöhen.
Kombinationstherapien: Stärker zusammen
Eine vielversprechende Strategie ist die Kombination von PD-1/PD-L1-Hemmern mit Chemotherapie. Chemotherapie kann das Immunsystem auf verschiedene Weise unterstützen, beispielsweise indem sie Krebszellen abtötet und dabei Antigene freisetzt, die das Immunsystem aktivieren. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Atezolizumab mit einer bestimmten Chemotherapie das Überleben bei Patientinnen mit TNBC verbessern kann.
Auch die Kombination mit zielgerichteten Therapien wird erforscht. Bei HER2-positivem Brustkrebs wird beispielsweise Trastuzumab, ein Antikörper gegen HER2, mit PD-1-Hemmern kombiniert. Diese Kombination hat in Studien bei einigen Patientinnen gute Ergebnisse gezeigt.
Ausblick: Was kommt in der Zukunft?
Die Immuntherapie bei Brustkrebs ist noch ein relativ neues Feld, aber die Fortschritte sind vielversprechend. Besonders bei aggressiven Unterarten wie TNBC und HER2-positiven Tumoren könnten diese Therapien einen großen Unterschied machen. Wichtig ist, dass weitere Forschung notwendig ist, um die besten Kombinationen und die richtigen Patientinnen für diese Behandlungen zu finden.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000000710